Konfigurator-Projekt starten: die Checkliste für Hersteller
Was Hersteller für ein Konfigurator-Projekt liefern müssen: CAD-Daten, Preislogik, Optionsregeln, Freigaben. Plus Projektphasen und typische Stolpersteine.
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Die Entscheidung für einen Produktkonfigurator fällt in vielen Unternehmen schnell: Der Nutzen leuchtet ein, eine Demo hat überzeugt, das Budget ist da. Dann startet das Projekt, und es zeigt sich, dass die eigentliche Arbeit nicht beim Dienstleister liegt, sondern im eigenen Haus. Nicht weil die Technik schwierig wäre, sondern weil ein Konfigurator das Unternehmen zu etwas zwingt, das vorher oft niemand tun musste: das eigene Produktwissen vollständig, widerspruchsfrei und schriftlich auf den Tisch zu legen.
Dieser Artikel ist die Checkliste für genau diesen Moment: Was muss ein Hersteller liefern, in welchen Phasen läuft so ein Projekt, und an welchen Stellen geraten Projekte erfahrungsgemäß ins Stocken.
Was muss der Hersteller liefern?
Vier Lieferpakete entscheiden über Tempo und Qualität des Projekts. Alle vier existieren in jedem Unternehmen, aber selten in projekttauglicher Form.
- CAD-Daten: 3D-Modelle der Produkte als STEP oder IGES, idealerweise als Zusammenbau je Baugröße oder Variante. Die Web-Aufbereitung übernimmt der Anbieter, aber die Quelldaten müssen vollständig sein, auch für Varianten und Anbauteile
- Preislogik: Grundpreise, Optionsaufpreise, Mengenstaffeln und Rabattregeln, schriftlich und aktuell. Eine Preisliste als PDF ist ein Anfang, eine gepflegte Tabelle mit eindeutigen Zuordnungen ist besser
- Optionsregeln: welche Optionen sich gegenseitig voraussetzen oder ausschließen, welche Kombinationen technisch nicht baubar sind, welche Baugröße welche Traglast trägt. Dieses Wissen liegt oft nur in den Köpfen der erfahrenen Mitarbeiter
- Freigaben und Zuständigkeiten: wer Produktnamen, Beschreibungstexte, Preise und die Darstellung final abnimmt, und wie schnell dieser Weg ist. Ein Projekt ohne benannten Entscheider verliert in jeder Abstimmungsrunde Wochen
- Ergänzend: Logo und Gestaltungsvorgaben für Angebots-PDF und Einbettung, Fotos oder Farbmuster der realen Oberflächen als Referenz für das Rendering
Ein realistischer Selbsttest vor Projektstart: Bitten Sie einen Mitarbeiter, der nicht im Vertrieb arbeitet, aus den vorhandenen Unterlagen ein beliebiges Produkt vollständig zu spezifizieren, mit Preis. Überall, wo er nachfragen muss, fehlt dem Projekt später eine Regel. Diese Lücken vor dem Start zu schließen ist um ein Vielfaches billiger als währenddessen.
In welchen Phasen läuft ein Konfigurator-Projekt?
Unabhängig vom Anbieter folgen die meisten Projekte demselben Muster. Am Anfang steht die Produktauswahl: nicht das ganze Sortiment, sondern ein Pilotprodukt mit klarem Optionsraum und echter Nachfrage. Darauf folgt die Datenphase, in der CAD-Modelle aufbereitet, Teile benannt und Strukturen geprüft werden. Parallel entsteht das Regelwerk: Optionen, Abhängigkeiten und Preise werden in die Konfigurationslogik übersetzt. Dann kommt die Abstimmungsphase mit Korrekturrunden an Darstellung, Texten und Preisen, gefolgt von der internen Prüfung durch Vertrieb und Technik. Den Abschluss bilden Freigabe, Einbettung in die Website und die Übergabe der Pflegeprozesse.
Rechenbeispiel zur Einordnung der Aufwände: Wenn die Datenphase beim Anbieter zwei Wochen dauert, das Regelwerk aber sechs Wochen auf eine vollständige Preisliste des Herstellers wartet, bestimmt die Preisliste die Projektdauer, nicht die Technik. In der Praxis liegen die kritischen Pfade fast immer auf der Herstellerseite, und genau deshalb lohnt sich die Vorbereitung der vier Lieferpakete vor dem offiziellen Start.
Für die Planung hilft eine klare Trennung der Verantwortlichkeiten: Alles, was Produktwissen ist, kommt vom Hersteller, alles, was Übersetzung und Technik ist, vom Anbieter. Der Anbieter kann CAD-Daten aufbereiten, aber nicht entscheiden, welche Variante es geben soll. Er kann Preisregeln abbilden, aber nicht festlegen, ab welcher Stückzahl welcher Rabatt gilt. Projekte laufen dann rund, wenn beide Seiten diese Grenze kennen und niemand darauf wartet, dass die jeweils andere Seite eine Entscheidung trifft, die nur die eigene treffen kann.
Woran scheitern Konfigurator-Projekte wirklich?
Das erste Muster ist der Vollständigkeitsanspruch: Das Projekt soll gleich alle Produktlinien, alle Sonderfälle und alle Sprachen abdecken. Solche Projekte werden groß, teuer und kommen nie live. Die Gegenstrategie ist ein Pilot mit einem Produkt, der in Wochen sichtbar wird und intern Vertrauen schafft. Erweiterung ist danach Routine, besonders wenn die Engine config-getrieben arbeitet und neue Produkte nur Daten brauchen, keinen neuen Code.
Das zweite Muster ist das implizite Wissen: Die Optionsregeln stehen nirgends, weil der Vertrieb sie im Kopf hat. Im Projekt fällt das erst auf, wenn der Konfigurator eine Kombination erlaubt, die es nicht geben darf, oder eine verbietet, die gängige Praxis ist. Die Gegenstrategie ist ein strukturierter Fragenkatalog am Projektanfang und die Bereitschaft, Grenzfälle nachzureichen: Ein gutes Projekt plant von vornherein mehrere Frage-Antwort-Runden zwischen Anbieter und Fachabteilung ein, denn sie sind kein Zeichen schlechter Vorbereitung, sondern der normale Weg, implizites Wissen explizit zu machen.
Das dritte Muster ist die verwaiste Pflege: Der Konfigurator geht live, ein Jahr später stimmen die Preise nicht mehr, und das Werkzeug verliert intern seine Glaubwürdigkeit. Die Gegenstrategie ist, die Pflege von Anfang an als Rolle zu definieren: Wer ändert Preise, wer gibt neue Optionen frei, wer prüft nach Sortimentsänderungen. Bei einem config-getriebenen System wie Configro ist die Pflege bewusst als Datenänderung angelegt, Preise, Namen und Anzeigeoptionen lassen sich in der Verwaltung anpassen, ohne Entwicklungsaufwand. Aber auch die einfachste Pflege braucht einen Zuständigen.
Die Checkliste zum Projektstart
Zusammengefasst als Prüfliste vor dem ersten Anbietergespräch: Pilotprodukt gewählt und begründet. CAD-Daten als STEP oder IGES vorhanden, inklusive Varianten. Preislogik schriftlich, aktuell und intern abgestimmt. Optionsregeln dokumentiert oder zumindest die Wissensträger benannt und mit Zeit ausgestattet. Entscheider für Freigaben benannt, Reaktionszeiten vereinbart. Pflege-Zuständigkeit nach Go-Live geklärt. Wer diese sechs Punkte abhaken kann, hat die häufigsten Projektrisiken ausgeräumt, bevor sie entstehen. Einen Eindruck davon, wohin die Reise führt, gibt eine laufende Demo, und wer die Investitionsseite klären will, findet die Kostenfaktoren im verlinkten Beitrag.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Konfigurator-Projekt?
Bei einem Produkt mit überschaubarem Optionsraum und vorhandenen CAD-Daten sind wenige Wochen realistisch. Die Dauer hängt weniger von der Technik ab als davon, wie schnell der Hersteller Preislogik und Optionsregeln vollständig und entscheidungsreif liefern kann.
Welche CAD-Formate braucht ein Konfigurator-Anbieter?
Neutralformate wie STEP oder IGES genügen in der Regel. Die Aufbereitung fürs Web, also Vereinfachung, Strukturierung und Kompression, übernimmt der Anbieter. Native Formate des CAD-Systems sind nicht nötig.
Woran scheitern Konfigurator-Projekte am häufigsten?
Selten an der Technik, meist an unvollständiger Preislogik, an Optionsregeln, die nur in Köpfen existieren, und an fehlenden internen Freigabeprozessen. Wer diese drei Punkte vor Projektstart klärt, hat das größte Risiko bereits ausgeräumt.