ERP-interner oder externer Produktkonfigurator: der Vergleich für den Mittelstand
ERP-Konfigurator oder externer Web-Konfigurator? Was beide leisten, wo die Grenze verläuft und warum viele Hersteller beides brauchen. Der Vergleich.
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Ein ERP-Konfigurator und ein externer Web-Konfigurator lösen zwei verschiedene Aufgaben. Der Variantenkonfigurator im ERP leitet für Innendienst und Arbeitsvorbereitung Stückliste, Arbeitsplan und Kalkulation ab. Der Web-Konfigurator führt Kunden und Händler ohne Systemzugang zu einer gültigen Variante mit Preisindikation und Anfrage. Wer viele Varianten hat und Neukunden über die Website gewinnen will, braucht in der Regel beide.
Die Frage kommt in fast jedem Erstgespräch: Wir haben doch schon einen Konfigurator im ERP, wozu noch einer? Berechtigte Frage. SAP bringt mit LO-VC beziehungsweise AVC seit Jahrzehnten Variantenkonfiguration mit, proALPHA, abas und ams haben eigene Generatoren, und irgendjemand im Haus hat viel Zeit in die Merkmalspflege gesteckt. Die Verwechslung der beiden Werkzeuge kostet Projekte regelmäßig Monate.
Was macht der Konfigurator im ERP eigentlich?
Der ERP-interne Variantenkonfigurator ist ein Fertigungswerkzeug. Er beantwortet die Frage: Wenn ein Auftrag mit diesen Merkmalen hereinkommt, welche Stückliste, welcher Arbeitsplan und welche Kalkulation gehören dazu? Sein Beziehungswissen ist auf Maximalstücklisten und Positionsauswahl ausgelegt, seine Nutzer sind Arbeitsvorbereitung und Auftragserfassung. Das macht er gut, oft seit fünfzehn Jahren, und niemand sollte das leichtfertig ersetzen wollen.
Nur: Kein Kunde wird jemals in dieser Oberfläche arbeiten. Sie setzt eine ERP-Lizenz voraus, eine Schulung, und sie zeigt Merkmalsbezeichnungen wie ZMERKM_ANTRIEBSART_02 statt eines drehbaren Produkts. Aus unserer Projekterfahrung ist genau das der blinde Fleck: Der Hersteller hat sein Variantenwissen mühsam ins ERP gebracht und glaubt, damit sei Konfiguration erledigt. Erledigt ist damit die Innensicht. Die Außensicht, also der Interessent, der abends um 22 Uhr wissen will, ob das Getriebe in Baugröße 3 mit Hohlwelle lieferbar ist, existiert schlicht nicht.
Was leistet der externe Web-Konfigurator?
Der externe Konfigurator ist ein Vertriebswerkzeug. Er läuft im Browser, ohne Login und ohne Installation, auf der eigenen Website oder eingebettet in Händlerseiten. Er zeigt das Produkt, im besten Fall als 3D-Modell, führt durch die Optionen, verhindert unzulässige Kombinationen und liefert eine Preisindikation. Am Ende steht keine Stückliste, sondern eine qualifizierte Anfrage oder ein Angebots-PDF. Das Publikum ist ein anderes, die Sprache ist eine andere, die Datentiefe ist eine andere.
Wichtig für die Abgrenzung: Der Web-Konfigurator braucht nicht das volle Beziehungswissen des ERP. Für die Verkaufssicht reichen typischerweise 10 bis 20 Prozent der Merkmale, nämlich die, die der Kunde entscheidet. Ob die Passfeder nach DIN 6885 Form A oder B gefertigt wird, entscheidet die AV, nicht der Einkäufer des Kunden. Wer versucht, das komplette ERP-Regelwerk in die Web-Oberfläche zu spiegeln, baut ein Projekt, das nie fertig wird.
ERP-Konfigurator vs. Web-Konfigurator: was unterscheidet sie?
- Zielgruppe: ERP-Konfigurator bedient AV und Innendienst, der Web-Konfigurator Kunden, Interessenten und Händler ohne Systemzugang.
- Ergebnis: innen Stückliste, Arbeitsplan und Kalkulation; außen gültige Variante, Preisindikation, Anfrage oder Angebots-PDF.
- Regeltiefe: innen das vollständige Fertigungswissen, außen nur die verkaufsrelevanten Entscheidungen des Kunden.
- Oberfläche: innen Masken und Merkmalslisten, außen visuelle Führung, auf Wunsch als interaktives 3D-Modell mit Live-Preis.
- Änderungsgeschwindigkeit: ERP-Anpassungen laufen über Customizing und Transporte, ein config-getriebener Web-Konfigurator ändert Optionen und Preise ohne Release-Zyklus.
- Kostenlogik: innen Beratungstage des ERP-Partners, außen ein abgegrenztes Web-Projekt plus laufender Betrieb.
Wann reicht der ERP-Konfigurator allein?
Ehrliche Antwort: öfter, als Konfigurator-Anbieter zugeben. Wenn ein Hersteller zwölf Bestandskunden hat, die per Rahmenvertrag bestellen, und keinerlei Neukundengeschäft über die Website läuft, dann bringt ein öffentlicher Konfigurator wenig. Das Geld ist dann in der ERP-Datenqualität besser angelegt. Auch bei reinen Engineer-to-Order-Produkten, bei denen jede Anfrage ohnehin eine Konstruktionsstunde auslöst, ist die Verkaufssicht kaum standardisierbar. Ein Konfigurator lebt von wiederkehrenden, regelbaren Varianten. Wo es die nicht gibt, hilft er nicht.
Umgekehrt reicht der externe Konfigurator allein, wenn die Fertigung gar keine Variantenstücklisten braucht, etwa weil aus wenigen Dutzend Endvarianten kommissioniert wird. Dann ist das ERP-Modul die Überdimensionierung, nicht der Web-Konfigurator.
Warum brauchen viele Hersteller beide Konfiguratoren?
Bei ernsthafter Variantenvielfalt und aktivem Vertrieb landet man fast zwangsläufig bei einer Doppelstruktur: außen der Web-Konfigurator als Schaufenster und Anfragemaschine, innen das ERP als Fertigungswahrheit. Die Verbindung ist eine strukturierte Übergabe, keine Echtzeitkopplung. Die Konfiguration des Kunden geht als maschinenlesbarer Datensatz an den Innendienst, der sie prüft und im ERP zum Auftrag macht. Das klingt unspektakulär und ist genau richtig so: Jede Live-Kopplung zwischen öffentlichem Web und ERP schafft Angriffsfläche und Abhängigkeit, die in Phase 1 niemand braucht.
Wer pflegt Preise und Optionen in ERP und Web-Konfigurator?
Eine benannte Rolle für die Verkaufssicht, die nach jedem ERP-Preislauf den Web-Konfigurator nachzieht. Ein Wort zur unbequemsten Konsequenz der Doppelstruktur: Es gibt jetzt zwei Orte, an denen Produktwissen liegt. Ohne klare Zuständigkeit driften sie auseinander, und zwar leise. Das ERP kennt den neuen Aufpreis, der Web-Konfigurator zeigt noch den alten; drei Monate später wundert sich der Vertrieb über Anfragen mit veralteten Preisindikationen. Die Lösung ist organisatorisch, nicht technisch: Eine Person oder Rolle verantwortet die Verkaufssicht und pflegt Preise und Optionen im Web-Konfigurator nach jedem ERP-Preislauf nach, idealerweise über eine Verwaltungsoberfläche ohne Entwickler-Einsatz. Eine automatische Synchronisation beider Welten klingt verlockend, lohnt sich aber erst, wenn sich Preise häufiger als quartalsweise ändern. Vorher ist der handgepflegte Abgleich mit Vier-Augen-Kontrolle schlicht billiger und robuster als eine Schnittstelle, die bei jedem ERP-Release mitgetestet werden muss.
Was bedeutet das für die Systemwahl?
Für die Außensicht lohnt ein Blick auf config-getriebene Web-Engines: Dort liegen Produktlogik, Optionsregeln und Preise in einer Konfigurationsdatei statt im Programmcode, neue Produkte brauchen im Wesentlichen ein 3D-Modell und eine Config. Configro arbeitet nach diesem Prinzip, importiert CAD-Daten direkt als STEP oder IGES und liefert Live-Preis, Angebots-PDF und teilbare Konfigurations-Links mit; die Einbettung in bestehende Seiten läuft white-label per iframe. Wie sich das anfühlt, zeigt die Demo unter configro.de/demo. Die Anbindung an die ERP-Welt bleibt dabei ein eigenes Kapitel mit eigenen Fallstricken, dazu gibt es einen separaten Praxisartikel.
Die Entscheidung ist also selten ein Entweder-oder. Sie lautet: Welches der beiden Probleme tut gerade mehr weh, die Fertigungsableitung oder die Verkaufssicht? Wer das sauber trennt, spart sich die teuerste Variante von allen, nämlich das Projekt, das beides gleichzeitig und deshalb keines richtig löst.
Häufige Fragen
Welche ERP-Systeme haben einen eigenen Variantenkonfigurator?
SAP bringt mit LO-VC und dem Nachfolger AVC seit Jahrzehnten Variantenkonfiguration mit, auch proALPHA, abas und ams haben eigene Variantengeneratoren. Sie leiten aus Merkmalen und Beziehungswissen auftragsbezogen Stücklisten und Arbeitspläne ab. Bedient werden sie von geschulten Mitarbeitern in Innendienst und Arbeitsvorbereitung, nicht von Kunden, weil Lizenz, Systemzugang und Schulung vorausgesetzt sind.
Kann ein Kunde direkt im ERP-Konfigurator konfigurieren?
Praktisch nie. ERP-Konfiguratoren setzen Systemzugang, Lizenzen und Schulung voraus, und ihre Oberflächen zeigen interne Merkmalsbezeichnungen statt eines anschaulichen Produkts. Für Kunden, Interessenten und Händler braucht es eine eigene Web-Oberfläche im Browser, ohne Login, die durch die verkaufsrelevanten Entscheidungen führt und ihr Ergebnis strukturiert an den Innendienst und damit ans ERP übergibt.
Ersetzt ein externer Web-Konfigurator den ERP-Konfigurator?
Nein, die Aufgaben sind verschieden. Der Web-Konfigurator sichert die Verkaufssicht ab: gültige Variante, Preisindikation, Anfrage oder Angebots-PDF. Der ERP-Konfigurator sichert die Fertigungssicht ab: Stückliste, Arbeitsplan und Kalkulation. Bei hoher Variantenzahl und aktivem Neukundengeschäft existieren beide nebeneinander und tauschen Daten über eine strukturierte Übergabe aus, jeder bleibt in seinem Bereich führend.
Was kostet ein ERP-Konfigurator-Projekt im Vergleich zu einem Web-Konfigurator?
Die Einführung eines ERP-Variantenkonfigurators ist ein Beratungsprojekt mit dem ERP-Partner und erreicht je nach System und Variantenmodell schnell den mittleren fünf- bis sechsstelligen Bereich. Ein externer Web-Konfigurator liegt als abgegrenztes Projekt im Markt meist zwischen 10.000 und 50.000 Euro plus laufendem Betrieb. Die Zahlen sind nur bedingt vergleichbar, weil beide ein anderes Problem lösen.
Muss ein Web-Konfigurator in Echtzeit mit dem ERP verbunden sein?
Nein, für den Start ist eine strukturierte Übergabe meist die bessere Wahl. Die Konfiguration des Kunden geht als maschinenlesbarer Datensatz an den Innendienst, der sie prüft und im ERP zum Auftrag macht. Eine Live-Kopplung zwischen öffentlicher Website und ERP schafft Angriffsfläche und Abhängigkeiten und muss bei jedem ERP-Release mitgetestet werden. Sie lohnt sich erst bei hohem Volumen oder häufigen Preisänderungen.